Backsteingotik pur: Warum Wismars Kirchen dich zum Staunen bringen werden.

Backsteingotik pur: Warum Wismars Kirchen dich zum Staunen bringen werden.

Wer sich der Hansestadt Wismar nähert, sieht sie schon von weitem: Drei gewaltige Silhouetten, die wie steinerne Wächter über der Ostsee thronen. Die Rede ist von den drei großen Pfarrkirchen der Stadt – St. Marien, St. Georgen und St. Nikolai.

Sie sind nicht nur architektonische Meisterwerke, sondern erzählen Geschichten von Reichtum, Zerstörung, Glaube und einem beeindruckenden Wiederaufstieg. Tauchen wir ein in die Welt des „roten Goldes“ und finden heraus, warum diese Kirchen das Herzstück des UNESCO-Welterbes sind.

1. St. Marien: Der Turm, der die Zeit überdauerte

Beginnen wir dort, wo die Geschichte am greifbarsten ist. Von der einstigen Ratskirche St. Marien steht heute fast nur noch der 80 Meter hohe Turm. Das Kirchenschiff wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und in den 1960er Jahren – trotz heftiger Proteste – gesprengt.

Warum du hier staunen wirst:

  • Die Leere: Wo früher das Kirchenschiff stand, markieren heute begrünte Grundmauern den Grundriss. Es ist ein Ort der Stille und mahnt an die Verluste der Geschichte.

  • Handwerkskunst zum Anfassen: In der interaktiven Ausstellung „Wege zur Backsteingotik“ im Turmfuß erfährst du, wie die mittelalterlichen Baumeister es schafften, diese Giganten ohne moderne Maschinen zu errichten.

  • 3D-Erlebnis: In einer beeindruckenden Filmvorführung kannst du sehen, wie die Kirche vor ihrer Zerstörung aussah.

2. St. Georgen: Das Wunder von Wismar

St. Georgen war jahrzehntelang die wohl imposanteste Ruine Norddeutschlands. Nach dem Krieg verfiel sie immer mehr, bis nach der Wende ein beispielloser Wiederaufbau begann. Heute erstrahlt sie in puristischer Schönheit.

Warum du hier staunen wirst:

  • Die Dimensionen: Sobald du das Innere betrittst, verschlägt es dir den Atem. Die schiere Höhe und die Weite des Raumes sind überwältigend. Da fast das gesamte historische Inventar verloren ging, wirkt die Architektur heute fast wie eine moderne Kathedrale.

  • Der beste Ausblick der Stadt: Ein gläserner Fahrstuhl bringt dich zur Aussichtsplattform in 35 Metern Höhe. Von hier aus hast du den besten Blick über die Altstadt, den Hafen und die Wismarer Bucht.

  • Kulturraum: Heute ist St. Georgen nicht nur eine Kirche, sondern ein Ort für Konzerte und Ausstellungen, was dem sakralen Bau eine ganz besondere, lebendige Energie verleiht.

3. St. Nikolai: Das Schiff der Seefahrer

St. Nikolai blieb als einzige der drei großen Kirchen im Krieg weitgehend unversehrt. Sie gilt als eines der schönsten Zeugnisse der Spätgotik in Europa und war die Kirche der Schiffer und Gewerbebetreibenden.

Warum du hier staunen wirst:

  • Das vierthöchste Mittelschiff Deutschlands: Mit 37 Metern Höhe ist das Mittelschiff so gewaltig, dass man den Kopf weit in den Nacken legen muss, um die Gewölbe zu bewundern.

  • Ein Schatzkästchen: Im Inneren findest du wertvolle Altäre und Kunstwerke, die aus den anderen (zerstörten) Kirchen Wismars gerettet wurden. Es ist wie ein Museum für mittelalterliche Sakralkunst.

  • Maritimer Flair: Achte auf die Details – viele Stiftungen und Verzierungen haben einen direkten Bezug zur Seefahrt, was die tiefe Verbindung der Stadt zum Meer widerspiegelt.

Warum eigentlich Backstein?

Vielleicht fragst du dich: Warum ist hier alles aus roten Ziegeln? Im Norden gab es schlichtweg keine natürlichen Vorkommen an Naturstein (wie Sandstein oder Marmor). Die Hanseaten machten aus der Not eine Tugend: Sie brannten Lehm zu Ziegeln.

Dieses „rote Gold“ wurde zum Symbol für Macht und Wohlstand. Die Backsteingotik ist der Ausdruck des hanseatischen Selbstbewusstseins – groß, protzig und für die Ewigkeit gebaut.

Fazit: Mehr als nur alte Steine

Wismars Kirchen sind keine staubigen Monumente. Sie sind Zeugen einer bewegten Vergangenheit und Symbole für den Überlebenswillen einer Stadt. Egal, ob du dich für Architektur interessierst oder einfach nur die besondere Atmosphäre dieser gewaltigen Räume genießen möchtest – ein Besuch wird dich garantiert beeindrucken.

Mein Tipp: Nimm dir Zeit für den „Wismarer Kirchensteig“. Wenn du alle drei Kirchen besuchst, achte auf das Licht: In St. Georgen ist es durch die klaren Fenster hell und weit, in St. Nikolai durch die Kunstwerke warm und mystisch.

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