Wismars versteckte Hinterhöfe: Ein Blick hinter die Fassaden der Altstadt.

Wismars versteckte Hinterhöfe: Ein Blick hinter die Fassaden der Altstadt.

Wer durch die Gassen der Wismarer Altstadt schlendert, bewundert meist die prächtigen Giebelhäuser, die stolz ihre reich verzierten Fronten zur Straße zeigen. Doch das wahre Herz der Stadt, die Seele des mittelalterlichen Wismars, liegt oft im Verborgenen. Hinter den schweren Holztoren und schmalen Durchgängen eröffnet sich eine Welt, die viele Besucher übersehen: Die Hinterhöfe.

In diesem Beitrag nehmen wir dich mit auf eine Entdeckungsreise abseits der Hauptwege. Wir blicken hinter die Kulissen der UNESCO-Welterbestadt und verraten dir, warum ein Blick durch den Torweg oft die schönsten Geschichten erzählt.

Die Architektur des Geheimnisvollen: Warum gibt es diese Höfe?

Um die Faszination der Hinterhöfe zu verstehen, muss man einen Blick in die Geschichte werfen. Wismar wurde als typische Hansestadt auf schmalen, aber sehr tiefen Grundstücken erbaut. Vorne, zur Straße hin, stand das repräsentative Dielenhaus – hier wurde gehandelt, gefeiert und gearbeitet.

Doch nach hinten raus erstreckten sich oft über 50 Meter tiefe Grundstücke. Dort befanden sich:

  • Die Kemladen: Schmale Anbauten, in denen gewohnt und gekocht wurde.

  • Werkstätten: Handwerker nutzten den Platz für ihre tägliche Arbeit.

  • Ställe und Gärten: Zur Selbstversorgung mitten in der Stadt.

Heute sind diese Höfe kleine Oasen der Ruhe, die den Lärm der Stadt draußen lassen und in denen die Zeit stillzustehen scheint.

3 Höfe, die du gesehen haben musst

Es gibt Dutzende dieser kleinen Refugien, doch einige sind besonders zugänglich und beeindruckend. Hier sind unsere Favoriten:

1. Der Hof des Schabbell (Stadtgeschichtliches Museum)

Das Schabbellhaus in der Schweinsbrücke ist an sich schon ein architektonisches Juwel der Renaissance. Doch sein Innenhof ist ein Meisterwerk der Sanierung. Hier verschmelzen modernste Glaskonstruktionen mit jahrhundertealtem Backstein.

  • Das Besondere: Hier kannst du die Rückseite der gewaltigen Giebelhäuser sehen und verstehen, wie die verschiedenen Bauphasen der letzten 400 Jahre ineinandergreifen.

2. Der Lohmeyer-Hof

In der Nähe des Marktplatzes befindet sich dieser versteckte Schatz. Wenn das Tor offen steht, solltest du vorsichtig einen Blick hineinwerfen. Der Lohmeyer-Hof ist bekannt für seine wunderschönen Fachwerk-Elemente und die üppige Begrünung. Es ist der Inbegriff eines norddeutschen Idylls – Kopfsteinpflaster, Stockrosen und altes Gebälk inklusive.

3. Der Hof der Heiligen-Geist-Kirche

Eigentlich kein klassischer Hinterhof, sondern eher ein ganzer Wohnkomplex, der sich hinter den Mauern des Spitals verbirgt. Wer durch das kleine Tor tritt, findet sich in einer anderen Welt wieder. Die winzigen Reihenhäuser, die früher den Armen und Kranken als Unterkunft dienten, säumen einen ruhigen Gang, der direkt zum Kirchgarten führt. Ein Ort voller Demut und Schönheit.

Die neue Hinterhof-Kultur: Kunst, Kaffee und Klinker

Wismars Höfe sind heute weit mehr als nur Abstellflächen. In den letzten Jahren hat sich eine lebendige Szene entwickelt, die diese Orte neu belebt:

  • Ateliers & Galerien: Viele Künstler haben die Ruhe der Hinterhöfe für sich entdeckt. In der Nähe der Frischen Grube findest du oft kleine Schilder, die dich in Hinterhof-Ateliers locken. Hier kannst du Keramik, Malerei oder Schmuck direkt dort kaufen, wo sie entstehen.

  • Versteckte Cafés: Nichts ist schöner, als an einem warmen Sommertag in einem kühlen Hinterhof einen Espresso zu trinken. Halte Ausschau nach kleinen Kreidetafeln, die auf „Gartencafés“ hinweisen – oft sind das die besten Insider-Tipps der Stadt.

Tipps für deine Entdeckungstour (Der „Hof-Knigge“)

Da viele der schönsten Höfe in Privatbesitz sind, gibt es ein paar Dinge zu beachten, damit die Entdeckungstour für alle Seiten ein Vergnügen bleibt:

  1. Respektiere die Privatsphäre: Wenn ein Tor verschlossen ist, ist es privat. Wenn es offen steht, darfst du meist einen vorsichtigen Blick hineinwerfen oder ein paar Schritte gehen.

  2. Leise sein: Viele dieser Höfe sind Wohnhöfe. Die Akustik verstärkt jedes Geräusch – deine Kamera sollte im „Silent Mode“ sein, und laute Unterhaltungen sind hier fehl am Platz.

  3. Die Details suchen: Achte auf alte Flaschenzüge an den Giebeln, historische Inschriften über den Türen oder die kunstvollen schmiedeeisernen Gitter.

  4. Fotografie: Die Lichtspiele in den engen Höfen sind am Vormittag oder späten Nachmittag am schönsten. Das Spiel zwischen Schatten und den leuchtend roten Backsteinen gibt deinen Fotos eine unglaubliche Tiefe.

Fazit: Wismar ist eine Stadt der zweiten Ebene

Wismar nur von der Straße aus zu betrachten, ist wie ein Buch nur nach dem Cover zu beurteilen. Die wahren Schätze, die Gemütlichkeit und der authentische Charme der Hansezeit offenbaren sich erst, wenn man den Mut hat, durch ein offenes Tor zu treten und den Blick nach hinten zu richten.

Nimm dir bei deinem nächsten Besuch die Zeit, schalte einen Gang runter und lass dich von der Stille und Schönheit der Wismarer Hinterhöfe verzaubern. Du wirst die Stadt danach mit ganz anderen Augen sehen.

Ein kleiner Insider-Tipp: Jedes Jahr zum „Tag des offenen Denkmals“ öffnen viele private Hofbesitzer ihre Türen, die sonst verschlossen bleiben. Ein absolutes Muss für jeden Wismar-Fan!

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